GmbH: Stammkapital, Eigenkapital, Fremdkapital

1. Aufbringung und Erhaltung des Stammkapitals

Da die GmbH Kapitalgesellschaft ist und den Gläubigern nur das Gesellschaftsvermögen haftet, ist der Grundsatz der Kapitalaufbringung und –erhaltung eine wichtige Schutzvorkehrung. Die Kapitalaufbringungsvorschriften bei der Gründung der GmbH und bei Kapitalerhöhungen sollen sicherstellen, dass ein Gesellschaftsvermögen in Höhe der satzungsmäßigen Stammkapitalbetrags tatsächlich aufgebracht wird.

Davon zu unterscheiden ist der tatsächliche Kapitalbedarf der Gesellschaft für ihre Tätigkeit und dessen Finanzierung. Finanzierungsbeiträge der Gesellschafter können auch in andere Form als Stammeinlagen geleistet werden.

 

2. Andere Finanzierungsmittel

Da das Stammkapital in keinem direkten Zusammenhang mit dem Kapitalbedarf der Gesellschaft zur Verfolgung ihrer Zwecke steht, ist nach anderen Finanzierungsmitteln zu fragen. Die Gesellschafter können satzungsmäßig Nachschüsse vorsehen. Dieses Instrument wird praktisch selten eingesetzt, ist aber als Eigenkapitalvariante konstruktiv interessant. Ferner können die Gesellschafter sonstige Einlagen leisten, die weder Stamm- noch Nachschusskapital sind. Als Fremdkapital kommt jede Art von Kredit in Betracht, insbesondere auch Darlehen, die von den Gesellschaften selbst gewährt werden.

Nachschusspflichten können im ursprünglichen Gesellschaftsvertrag vereinbart oder durch Satzungsänderung eingeführt werden. Sie dienen der Kapitalbeschaffung, nicht der Sicherung der Gläubiger. Das Nachschusskapital ist bilanziell Eigenkapital, steht aber im Gegensatz zum Stammkapital zur freien Verfügung der Gesellschafter.

Eine beschränkte Nachschusspflicht liegt vor, wenn in der Satzung für die Nachschüsse ein Höchstbetrag festgesetzt ist, der nicht überschritten werden dar. Dann haftet der Gesellschafter für die eingeforderten Nachschüsse in gleicher Weise wie für rückständige Einlagen.

Für die unbeschränkte Nachschusspflicht ist die Haftung weniger streng, denn bei unbeschränkter Höhe der Nachschusspflicht kann der Gesellschafter nicht voraussehen, welche Anforderungen die GmbH an ihn stellen wird.

3. Sonstiges Eigenkapital

Geschäftsanteile dürfen nicht unter, wohl aber über ihrem Nennwert übernommen werden – Überpariemission. Die Differenz zwischen Nennwert und versprochener höherer Leistung – Agio – kann gesellschaftsvertragliche Nebenpflicht oder schuldrechtliche Verpflichtung sein. In der Bilanz erscheinen auf solcher Grundlage eingebrachte Beträge, soweit sie nicht zur Verlustdeckung aufgebraucht sind, als Kapitalrücklage.

Entsprechendes gilt für sonstige Einlagen, die weder Stammkapital noch Nachschüsse sind. Es kann sich um einmalige Zahlungen handeln oder wiederkehrende Leistungen, auch die Rückführung von ausgezahlten Gewinnen (Schütt-aus-hohl-zurück-Verfahren).

4. Kredite, insbesondere Gesellschafterdarlehen

Die GmbH kann durch Kredite, also Fremdkapital finanziert werden. Dadurch entstehen Verzinsungs- und Rückzahlungspflichten, die als Verbindlichkeiten in der Bilanz erscheinen. Geben die Gesellschafter Kredite – Gesellschafterdarlehen, handelt es sich um Drittgeschäfte. Gleichwohl kann auch die Verpflichtung zur Darlehensgewährung auf gesellschaftsrechtlicher Grundlage zugesagt werden. Im Rahmen der Finanzierungsfreiheit sind Gesellschafterdarlehen ein beliebtes Instrument, da laufende Zinszahlungen den Gesellschaftern Einkünfte verschaffen, auch wenn die Gesellschaft keine Gewinne macht. Damit durch die Rückzahlungsverpflichtung die Gesellschaft nicht sofort überschuldet ist, können die Gesellschafter ihre Forderungen mit einem Rangrücktritt versehen, das heißt allen anderen Gläubigern für den Insolvenzfall den Vorrang einräumen. Einen ähnlichen Effekt hat die Beteiligung eines Gesellschafters als stiller Gesellschafter, das heißt zwischen der GmbH und ihrem Gesellschafter wird ein weiteres, eigenständiges Gesellschaftsverhältnis begründet.

Die GmbH kann auch jederzeit Kredite bei Dritten, insbesondere Banken aufnehmen. Die praktische Schwierigkeit besteht hier oft in der schwachen Bonität der Gesellschaft, was zur entsprechend höheren Zinsen führt. Besonders bei der personalistischen GmbH stellen Gesellschafter und Geschäftsführer häufig persönliche Sicherheiten, z. B. als Bürgen. Tatsächlich geben sie dadurch da Privileg der auf das Gesellschaftsvermögen beschränkten Haftung auf.