Die Kommanditgesellschaft (KG): Grundzüge

von Dr. jur. Lutz WERNER (www.vorratsgesellschaft-kaufen.de)

Vorspann:

Beim Kauf einer Vorratsgesellschaft, ob Aktiengesellschaft (AG), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder Kommanditgesellschaft (KG) sind auch immer gesellschaftsrechtliche Fragen zu klären:

  • was ist die geeignete Rechtsform für ihre Unternehmung,
  • wie sind die steuerlichen Konsequenzen,
  • wie kann man die Organe der Gesellschaft gut besetzen,
  • wann braucht man einen Notar usw.

Um den Interessenten und Käufern von Vorratsgesellschaften einige praktische Erläuterungen dazu an die Hand zu geben, dienen die Beiträge über die Grundzüge der AG, GmbH und KG.

Die Kommanditgesellschaft (KG) ist eine Abwandlung der Offenen Handelsgesellschaft (OHG). Die Definition im Handelsgesetzbuch entspricht derjenigen der OHG mit einem Unterschied: Bei einem Teil der Gesellschafter ist die Haftung gegenüber den Gesellschaftsgläubigern auf den Betrag einer bestimmten Vermögenseinlage beschränkt.

1. Zwei Arten von Gesellschaftern

Während bei der OHG hinsichtlich der Haftung alle Gesellschafter gleichstehen, sind bei der KG zwei Arten von Gesellschaftern zu unterscheiden. Diejenigen, die unbeschränkt haften, heißten Komplementäre oder persönlich haftende Gesellschafter. Ihre Rechtstellung entspricht in jeder Hinsicht derjenigen der Mitglieder einer OHG. Die Gesellschafter, die beschränkt haften, heißen Kommanditisten mit einer Kapitaleinlage nur in bestimmter Höhe. Sie arbeiten normalerweise nicht im Unternehmen mit, während die Komplementäre mit ihrer ganzen Persönlichkeit und ihrem ganzen Vermögen mit der Gesellschaft verbunden sind. Rechtlich kommt die andersartige Stellung der Kommanditisten in der beschränkten Haftung und darin zum Ausdruck, dass sie grundsätzlich von Geschäftsführung und Vertretung ausgeschlossen sind.

In jeder KG muss mindestens ein Komplementär und ein Kommanditist vorhanden sein. Eine nur aus Komplementären bestehende Gesellschaft ist eine OHG, eine nur aus Kommanditisten bestehende Gesellschaft ist rechtlich nicht möglich. Will keiner der Gesellschafter die unbeschränkte persönliche Haftung übernehmen, kann die Form der AG oder der GmbH gewählt werden, bei denen den Interessen der Gläubiger durch andere Schutzvorschriften Rechnung getragen wird. Praktisch wird aber in solchen Fällen meist die Mischform der GmbH & Co. KG bzw. AG & Co. KG bevorzugt, bei der die persönliche Haftung durch eine GmbH bzw. durch eine AG als einzige Komplementärin übernommen wird.

Die KG enthält eine Verbindung von personalistischen und kapitalistischen Elementen. Sie steht deshalb wirtschaftlich, wenn auch nicht juristisch, der stillen Gesellschaft nahe. Bei der stillen Gesellschaft tritt aber die Kapitalbeteiligung nach außen nicht hervor. Der Stille haftet den Gläubigern überhaupt nicht, er hat deshalb eine noch freiere Stellung. Dafür gewährt die offene, aus dem Handelsregister ersichtliche Beteiligung der Kommanditisten der KG eine bessere Kreditgrundlage.

2. Gesellschaftsform für Mittelstand und Familiengesellschaften

Die KG erfüllt in geeigneter Form die Funktion als typische Gesellschaftsform für mittelständische Unternehmen. Sie ist dank ihres kapitalistischen Einschlags aber auch für größere Unternehmen geeignet, falls hierfür bei überschaubarer Mitgliederzahl die Form einer Personengesellschaft erwünscht ist. Für Familienunternehmen passt sie gleichermaßen für die Aufnahme nahe Angehöriger in das Geschäft eines Einzelkaufmanns bei Lebzeiten wie für die Fortführung im Todesfall, insbesondere für die Gestaltung der Generationenfolge.

Nach der Umsatzsteuerstatistik wird ein höherer Anteil der erfassten Umsätze von Kommanditgesellschaften (23 %) erzielt als von AG und KGaA (19%) und der zahlenmäßig viel weiter verbreiteten OHG (5%).

3. Bedeutung der Mischform GmbH & Co. KG

Besonders beliebt ist die Mischform der GmbH & Co. KG bzw. AG & Co. KG in der Vorzüge der Kapitalgesellschaft mit solchen der Personengesellschaft verbunden werden können. Dem steht allerdings der Nachteil notwendig komplizierter Vertragswerke und der Überschneidung gesetzlicher Regelungen als Folge der Verbindung zweier verschiedenartiger Gesellschaftstypen gegenüber.

In der Praxis erfreut sich die GmbH & Co. KG ungebrochener Beliebtheit. Rechtlich handelt es sich, trotz der Beteiligung einer GmbH oder sonstigen juristischen Personen als Komplementär, doch immer noch um eine KG.

Eine andere, im Wesentlichen steuerrechtlich motivierte Entwicklung zeigt die KG – regelmäßig als GmbH & Co. KG – in der Form der Publikums- oder Massen-KG, die sich auf dem Kapitalmarkt an ein breites Anlegerpublikum wendet und so in Bereiche vorstößt, für die eigentlich die AG oder KGaA gedacht ist.